Die Industrie und Gewerbe des Kreises Falkenberg O/S  bis 1945 Jahr

Unser Heimatkreis Falkenberg wies nur wenige Industriebetriebe auf. Die älteste Industrie war die Eisenindustrie, die das an vielen Stellen im Kreisgebiet, so z. B. bei Brande und Geppersdorf, im Tiergarten, im Guschwitzer Forst, bei Graase und Roßdorf anstehende Raseneisenerz ausbeutete.

Bereits vor 1700 war bei Asche, das 1823 in Theresienhütte umbenannt wurde, ein Eisenhammer in Betrieb, wo das in einfachen Luppenfeuern gewonnene Eisen zu Schmiedeeisen verarbeitet wurde. Diese kleinen Luppenöfen wurden mit Holz beheizt, das in den Wäldern östlich von Tillowitz in großen Mengen zur Verfügung stand und anders garnicht verwertet werden konnte. Das erste Ascher Eisenwerk ist aber im Jahre 1732 wieder aufgegeben worden.

Erst im Jahre 1783, nachdem Graf Johann Carl Praschma die Herrschaft Falkenberg übernommen hatte, wurde die Eisenproduktion wieder aufgenommen. Graf Praschma erhielt am 11. November 1783 die behördliche Konzession, einen Hochofen und zwei Frischfeuer in Asche zu errichten und zugleich die Auflage, jährlich 25 Zentner Stabeisen an die preußische Hüttenverwaltung zu liefern.

Im Zuge der Teilung der Herrschaft Falkenberg, 1824, erhielt Graf Ludwig Praschma mit Tillowitz auch die Theresienhütte. Er ließ 1826 die Weiderwitzer Mühle zu einem weiteren Eisenwerk, der Wilhelminenhütte, umbauen. Graf Ernst von Frankenberg-Ludwigsdorf, der 1835 die Herrschaft Tillowitz erwarb, errichtete 1840 bei Groditz noch die Winklerhütte.

1827 wurden in der Theresienhütte hergestellt: 7038 Zentner rohes Ganzeisen, 111 Zentner Lehmguß, 212 Zentner Sandguß und 3886 Zentner Schmiedeeisen im Gesamtwerk von 29.662 Talern.

Nach der Eröffnung der oberschlesischen Eisenbahn, um 1845, konnten die kleinen Hütten der Konkurrenz der oberschlesischen Eisenindustrie nicht mehr standhalten. 1861 erzeugt die Theresienhütte nur noch 6629 Zentner Roh- und Stabeisen, die Winklerhütte wurde schon 1865, die Wilhelminenhütte 1875 stillgelegt. Die Theresienhütte, der das gleiche Schicksal drohte, konnte sich nur durch Umstellung zur Maschinenfabrik mit Gießerei   retten; ferner wurde hier ein Sägewerk errichtet. Beide Werke waren bis 1945 in Betrieb. Die Theresienhütte beschäftigte um 1910 etwa 200 Mann.

Ein über die deutschen Grenzen hinaus bekannter Betrieb war die Porzellanfabrik Schlegelmilch in Tillowitz. Sie hatte zeitweise eine Belegschaft von 800 Mann und war damit der größte Betrieb im ganzen Kreise.

Im Jahre 1800 hatte Graf Johann Carl Praschma in Tillowitz eine Tonwarenfabrik gegründet, in der unter anderem auch schwarzes Geschirr hergestellt wurde. Graf Frankenberg-Ludwigsdorf baute diesen Betrieb weiter aus. Viele Jahre lang war die Fabrik dann verpachtet, bis sie 1905 in den Besitz der Familie Schlegelmilch überging.

Erhard Schlegelmilch, der aus Suhl in Thüringen stammte, hatte schon im Jahre 1889 am Tillowitzer Bahnhof eine neue Porzellanfabrik errichtet. Hier wurde neben einfachem Gebrauchsporzellan auch ein besonders dünnwandiges Geschirr hergestellt. Über zwei Weltkriege hat die Tillowitzer Porzellanfabrik ihren guten Ruf behalten. Sie wurde bald nach Kriegsende von den Polen wieder in Betrieb genommen, soll aber im Jahre 1970 einem Großbrand zum Opfer gefallen sein.

Größter Betrieb im südlichen Kreisgebiet und drittgrößter im Kreise überhaupt war die Maschinenfabrik A. Zierz in Lamsdorf. Das Unternehmen hatte im Jahre 1875 in Floste seinen Anfang genommen. 1892 verlegte Alois Zierz den Betrieb nach Lamsdorf und erbaute hier am Bahnhof die neue landwirtschaftliche Maschinenfabrik und ein Sägewerk mit fünf Vollgattern. Der Betrieb wuchs ständig und nahm zuletzt eine Fläche von über sieben Hektar ein. Als Alois Zierz 1941 starb, betrug die Belegschaft seines Werkes rund 300 Mann.

Kleinere Unternehmen der Maschinenbranche waren die Maschinenbauanstalt Spinner & Nahler in Falkenberg und die Maschinenfabrik Reimann in Schurgast.

Im Kreise Falkenberg war auch eine beachtliche Steinindustrie heimisch, mit Basaltsteinbrüchen in Mullwitz, Rautke und Ruttken.

Der größte dieser Steinbrüche, der Mullwitzberg , gehörte dem Grafen Pückler in Schedlau. Der Bruch war stets verpachtet, über 20 Jahre lang an Erhard Zernik, dessen Firma, „Basalt- und Schotterwerke Zernik-Graase" weit bekannt war. Später wurde neben dem Schotterwerk am Bahnhof Graase die „Hydraulit AG." gegründet; ein kleines Werk, in welchem aus Bastaltstaub, kleinen Steinchen und Teer  Straßenbaumaterial hergestellt wurde. 1935 übernahm die Firma Loesch & Co. aus Oppeln den Steinbruch.

Die Belegschaft betrug zu dieser Zeit ca. 400 Mann. Bis zu 100 Eisenbahnwaggons Straßenschotter und andere Steine gingen täglich vom Graaser Bahnhof ab. Die Jahresproduktion betrug rund 400.000 to.

Ca. 1 km westlich des Mullwitzerberges lag der Rautker Steinbruch, dem Grafen Praschma gehörend. Auch dieser Steinbruch war meist verpachtet und nur zeitweise in eigener Regie des Eigentümers betrieben. Hier waren zwischen 20 und 50 Arbeiter beschäftigt.

Ein weiterer Basaltsteinbruch lag bei Ruttken, Gemeinde Steinaugrund. Der Bruch hatte früher zur Herrschaft Tillowitz gehört; nach deren Auf-Siedlung, 1929, ging er in den Besitz des Kreises Falkenberg über, der hieraus einen erheblichen Teil des für seine Chaussebauten benötigten Straßenschotters entnahm.

Der Holzreichtum des Kreises hatte auch die Entstehung mehrerer Sägewerke zur Folge. Größere Sägewerke mit eigenem Fuhrpark waren das Dampfsägewerk Paul Freitag's Nachfolger in Falkenberg, das Dampfsägewerk A. Zierz in Lamsdorf und das Sägewerk Wilh. Kelpe in Waldsiedel. Darüberhinaus gab es noch mehrere kleinere Sägewerke, die je nach Lage mit Dampf- oder Wasserkraft arbeiteten. Mit Dampfkraft arbeiteten die Sägewerke August Scholz - Falkenberg, Kuschel - Friedland, Graf Kerssenbrock – Schurgast, Graf zu Solms-Baruth - Dambrau; mit Wasserkraft das Sägewerk Theresienhütte und das bei Jakobsdorf.

Da an zahlreichen Stellen des Kreisgebietes Lehm und Letten in beachtlicher Stärke anstand, war hier eine ganze Anzahl kleinerer und größerer Ziegeleien entstanden. Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts haben mancherorts sogar einzelne Bauern kleine Feldziegeleien (Erdöfen) betrieben und sollen keinen schlechten Ertrag gehabt haben.

Im Jahre 1922 gab es im Kreise Falkenberg noch 13 Ziegeleien mit zusammen über 300 Beschäftigten, nur die Hälfte davon konnte sich bis zuletzt halten: die Tondachsteinfabrik Wiesner & Co. und die Ziegelei August Scholz in Falkenberg, sowie Ziegeleien in Goldmoor, Seifersdorf, Lamsdorf (Kaltecke), Friedland und Dambrau .

Die Firmen Wiesner - mit etwa 80 Beschäftigten - und Thalers Tonwerke in Goldmoor, die über eigene Bahnanschlußgleise verfügten, waren wohl die größten Betriebe dieser Art im Kreise.

Das Baugewerbe war im Kreise Falkenberg mit folgenden Betrieben vertreten :

Baugeschäft Paul Iwan, später Friedrich Knispei,             Falkenberg,

Baugeschäft I. A. Kuntze, später Patrzek,                          Falkenberg,

Baumeister Georg Schütze,                                                Falkenberg,

Baugeschäft Josef Honisch,                                                Friedland,

Baugeschäft Josef Schlechter,                                           Bielitz,

Maurermeister Scheurich,                                                    Tillowitz,

Baumeister Vikt. Lempart,                                                   Dambrau,

Tiefbauunternehmen Emil Pelz,                                          Dambrau.

Die größten Unternehmen waren die Baugeschäfte Knispei und Schütze, die etwa 50 bis 150 Mann beschäftigten.

Die Textilindustrie war im Kreise mit zwei Betrieben vertreten.

Die Oberschlesischen Seilwerke Hoffmann und Herzog in Falkenberg beschäftigten etwa 50 Personen. Das Unternehmen war 1912 gegründet worden und stellte Seilerwaren aller Art, insbesondere Bindegarne für die Landwirtschaft und Packbindfäden her.

Seit 1890 bestand in Friedland die Gardinen- und Spitzenfabrik Franz Kolette, die um die Jahrhundertwende ihre beste Zeit hatte und damals im südlichen Kreisgebiet und den angrenzenden Dörfern des Kreises Neustadt über 1000 Heimarbeiterinnen beschäftigte. Neben Bandspitzen wurden Bett- und Tischdecken, Gardinen und Stores, hin und wieder auch besonders kostbare Stücke, wie Chorröcke und Altardecken in Handarbeit hergestellt und im In- und Auslande verkauft.

Infolge der Konkurrenz bayerischer und sächsischer Betriebe und des Aufkommens der billigeren Maschinenspitzen war der Absatz jedoch von Jahr zu Jahr zurückgegangen und die Existenz dieser Spitzen-Hausindustrie, die schon ein Stück echter Volkskunst darstellte, stark bedroht.

Auch zwei Betriebe der Schuhindustrie waren im Kreise ansässig. Im Jahre 1921 hatte Paul Siebert aus Breslau in Weidengut eine Schuhfabrik eröffnet. Zunächst wurden hier nur Holzschuhe, dann auch Plüschpantoffeln und Hausschuhe hergestellt. Später wurde die Produktion auf Lederschuhe, Reit- und Schaftstiefel ausgedehnt. Absatzgebiet war ganz Schlesien, aber auch nach Brandenburg, West- und Ostpreußen hat die Fa. Siebert ihre Produkte versandt.

Lederschuhe und Stiefel stellte die Schuhfabrik Ackermann - Inhaber Willi Nutsch - in Friedland her; sie hatte etwa 25 Beschäftigte.

Als Verarbeitungsbetriebe für landwirtschaftliche Erzeugnisse wären noch die Mühlen und Molkereien zu nennen.

Molkereien gab es in Falkenberg, Dambrau, Lamsdorf und Schurgast. Das größte Einzugsgebiet hatte wohl die Molkerei Lamsdorf - Inhaber Georg Gloger - mit 30 Gemeinden des Kreises Falkenberg und 4 des Kreises Neustadt. Die jährliche Milchanlieferung betrug hier durschnittlich 8.500.000 kg; die Belegschaft war 25 Mann stark. Die Erzeugnisse der Lamsdorfer Molkerei wurden hauptsächlich im oberschlesischen Industriegebiet, in Oppeln und in Breslau abgesetzt.

Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestanden im Kreisgebiet 44 Mühlen, überwiegend Wassermühlen, die von der Steinau, der Neiße und einigen kleineren Bächen angetrieben wurden. Die meisten dieser Mühlen gingen ein, als Dampfmaschinen und Elektrizität aufkamen und die Umstellung auf die bessere, aber teurere Antriebskraft nicht rentierlich erschien. Im Jahre 1936 gab es im Kreise nur noch 17 Mühlen, die Dampfmühlen in Stefansfeld und Dambrau und andere, von denen manche nur zeitweise arbeiteten, die teils noch durch Wasserkraft, teils auch schon elektrisch betrieben wurden.

An der Steinau oder den von ihr abgeleiteten Mühlgräben lagen die Mühlen von Groß-Schnellendorf, Friedland, Ellguth-Hammer (2), Tillowitz, Falkenberg, Schedlau, Groß-Mangersdorf  und Hilbersdorf (2), an der Neiße die Sonnenberger Mühle, an kleineren Bächen die Mühlen von Bielitz, Bauerngrund und Fischbach. Alte Windmühlen gab es noch in Bauerngrund, Schönwitz  und Weißdorf.

Im Jahre 1861 gab es im Kreise Falkenberg noch 12 Brauereien, zuletzt war aber nur noch die Brauerei Ferdinand-Falkenberg in Betrieb.

Auch die meisten der einst recht zahlreichen Branntweinbrennereien sind eingegangen. Zuletzt bestanden nur noch in Klein-Schnellendorf, Nüßdorf, Schadeberg, Grüben, Stefansfeld, Schedlau, Neuleipe, Mittenwalde, Niewe Schurgast und Wolfsgrund Brennereien. Neben diesen vorgenannten gewerblichen und industriellen Unternehmen gab es noch eine Reihe kleinerer Betriebe verschiedenster Art, sowie in den Städten und auch in fast allen Dörfern vielerlei Handwerksbetriebe (ca. 700 im ganzen Kreisgebiet), die der örtlichen Versorgung dienten (Falkenberg nr.1, Falkenberg nr.2, Friedland, Schurgast, sonstig).

Einen kleinen Nebenverdienst bot die Weidenhandlung Strauß aus Brieg, die in mehreren Gemeinden des Kreises Weidenkulturen unterhielt und im Sommer einige Wochen lang Frauen und größere Kinder beim Weidenschälen beschäftigte.

Mariusz i El¿bieta WoŸniak 

Literatur:

Heimatbuch des Kreises Falkenberg in Oberschlesien, Heimatverein des Kreises Falkenberg O/S mit Unterstutzung des Patenkreises Peine in Nedersachsen, Karl W. Goldamer, 8533 Scheinfeld/Mfr., 1971,      Text: R.Kain

Heimatkalendar des Kreises Falkenberg, Druck und Verlag L.Heege, Schweidnitz, 1935, 1939.

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